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Täglich grüßt… die Visite
Ich hab am 1.Oktober 2007 meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin angefangen. Hätt ich nur gewusst, was da auf mich zukommt. Nach 6 Wochen Einführungsblock (bestehend aus 38,5 Std. Unterricht die Woche) wurden wir dann auf die Stationen losgelassen und fanden uns sofort im Stationsalltag wieder.
Unsere Schule hat uns natürlich nicht nur mit Theorie versorgt. In Körperpflege und Vitalzeichenmessen wurden wir bestmöglichst vorbereitet, aber wie man schon aus vielen anderen Bereichen weiß: Theorie und Praxis sind zwei paar Stiefel. – Im Fall Krankenpflege allerdings zwei Welten.
Die eine Welt ist die Schule: Theoretisch, idealstisch, perfektionistisch, heile Welt, alles prima, alles rosa und irgendwie wattig.
Die andere Welt ist die reale Welt im Krankenhaus: Praktisch, zu wenig Personal für zu viele Patienten, zu viel Arbeit für zu wenig Leute, zu wenig Zeit um alles schulisch zu machen… zu wenig Zeit zum Fragen stellen.
Schüler laufen mit. Schauen, Hören zu, arbeiten mit und lernen so. Anleitung außerhalb der Anleitungstermine? Würden alle sicherlich gerne machen, nur wann denn bitte? Irgendwann in den fünf Minuten in denen man keinen Schreibkram zu machen hat, in denen keine Patientenglocke geht, in der kein Arzt, Angehöriger, Patient… irgend etwas wissen will und man auch gerade nichts zu tun hat? Wenn es diese fünf Minuten irgendwann mal gibt (und das ist wirklich sehr selten), setzt man sich hin, atmet tief durch, lässt den lieben Herrgott nen guten Mann sein und ist froh, dass man ENDLICH mal durchatmen kann.
Lustig ist nur, obwohl es ein Scheißstress ist, macht die Arbeit saumäßig Spaß. Genau deswegen weiß ich, dass das was für mich ist.
Ich hätt schon viel früher anfangen sollen, davon zu erzählen, aber naja, nach 3 Monaten kann ich mehr erzählen. ^^
Anekdote aus dem Stationsalltag:
Visite früher: VIELE Ärzte, einige Pfleger, alles wuselt durch die Zimmer, jeder erzählt was, Patient schnallt nix, Pflegepersonal kriegt net alles mit, aber das wichtigste und die Zimmertüren gingen kaum noch zu.
Visite heute: Ein Arzt (Stationsarzt, behandelnder Belegarzt, manchmal auch der Chefarzt) mit der visiteausarbeitenden Pflegekraft (die später die Übergabe machen wird) gehen durch die Zimmer, Arzt und Pfleger/Schwester tauschen sich aus, Patient schnallt (trotzdem) nix
Unsere Visite heute: Chefarzt, Stationsärzte, die examinierten Pflegekräfte der Stationsbereiche 1 und 2 waren bei ihrem Bereich dabei, jeder hat was zu sagen gewusst, wieviel der Patient verstanden hat ist wie immer fraglich, aber während des Personalfrühstücks im Presonalaufenthaltsraum unserer Station hat man Witze gerissen, dass wohl irgendwer aus dem Fenster fallen wird, wenn man es nicht zumacht, falls man auf die Idee käme, die Zimmertür zuzumachen, weil’s ja auf dem Flur zieht (man meinte doch tatsächlich, der Raum wäre zu voll). Ich kam leider nicht dazu, mir diese Herde anzuschauen, aber vielleicht ist es ja morgen wieder so…
Eine erfahrene Schwester meinte: „Jetzt kommen die alten Zeiten wieder! Jetzt laufen wieder alle mit! Jetzt gehen die Patientenzimmertüren wieder nicht mehr zu! Jetzt muss immer jemand raus, bevor wieder jemand rein kann, sonst muss man die Zimmer wegen Überfüllung schließen.“
Eine andere Schwester: „Wir sollten das Fenster im Zimmer vom Pat. Sowieso zumachen, damit keiner aus dem Fenster fällt, wenn wir die Tür zu machen. Im Moment zieht’s ja aufm Gang. – Obwohl, wenn der Doktor Sowieso („Stationsfreund“) am Fenster steht, sollten wir’s vielleicht offen lassen.“
Ja ja, viel Freude am Beruf! Und wenn’s der Stress nicht zulässt, macht man seine Späße eben so!
Add comment Dezember 17, 2007