Täglich grüßt… der Durchgang

Dezember 23, 2007

Jeden Morgen das gleiche in der Frühschicht. Nach dem Personalfrühstück (das ist so meistens gegen 9:30/9:45 beendet) nimmt man sich den Pflegewagen und die „Kurven“ der Patientenzimmer (in der Regel nur eines, weil die anderen gebraucht werden zum Ausarbeiten), Thermometer, Blutdruckmessgerät und Stetoskop dürfen auch nicht fehlen, und dann fährt man durch die Zimmer. Wenn man so von Zimmer zu Zimmer zieht, kommt man nicht umhin (zumindest ich nicht) sich zu fragen, warum man denn eigentlich ständig die gleichen Fragen stellt. Ich meine, der Stuhlgang an sich ist ja nicht wirklich interessant, wenn die Leute so keine Probleme haben. Wenn sie Probleme haben (oder mit Problemen rechnen), werden diese (zumeist) beim Aufnahmegespräch angegeben. Es ist schon etwas merkwürdig, wenn man einen 19jährigen Patienten (absolute Seltenheit bei uns auf Stations, Altersdurchschnitt is wohl irgendwo bei geschätzten 65/70) bei der Aufnahme fragt, ob er Kontinenzprobleme hat und wie oft er in der Woche so Stuhlgang hat. Vor allem dann, wenn er nur mit Verdacht auf Blinddarmentzündung zu einem kommt.

Ich persönlich habe da so einen Weg für mich gefunden, damit ich mir selber nicht ganz so albern vorkomme.
„Ich nehme jetzt einfach mal an, Sie haben keine Inkontinenzprobleme, oder? Perücke, Haarteil, Hörgerät, Stoma, Herzschrittmacher und dergleichen haben Sie auch nicht, oder?“ Und so klapper ich dann alle Punkte mit der Zeit ab, damit eben der schöne durchgestrichene Kringel (=nix/keine) da steht. Wenn man das ganze mit etwas Humor macht („Entschuldigung, ich muss Ihnen jetzt noch ein paar teilweise dumme Fragen stellen, damit sie gestellt wurden und alle Klarheiten beseitigt wurden.“) fühlen sich die meisten Patienten gleich etwas besser und nicht mehr ganz so krank. Geht natürlich nicht mit allen Patienten, aber irgendwie weiß ich instinktiv bei wem ich solche Späße machen kann. (Ganz ehrlich, den meisten Patienten sieht man es an, wenn sie gar nicht zu Späßen aufgelegt sind. Die gucken dann immer so… nett. -_-)

Auf jeden Fall hatten wir heute folgenden Fall:
Meine Kollegin und ich (beide Unterkurs, also Anfänger) kommen ins 4-Bett-Zimmer und fragen und messen uns durch. Da wir die Anweisung haben, uns bei den Kollegen zu melden, wenn Werte auffällig hoch oder niedrig (also Blutdruck/Puls/Temperatur) und/oder in der Zeile für den Stuhlgang schon drei Kringel (=nix) in Folge sind, sind wir dann nach dem Verlassen des Zimmers zu einer der examinierten Schwestern und haben sie darauf hingewiesen, dass zwei Damen in diesem Zimmer, in dem wir gerade waren, bereits schon den dritten Tag nicht konnten. Die eine hatte gleich um Tropfen gebeten, weil die schon das letzte Mal so gut geholfen haben, die andere meinte, das würde schon noch gehen.
Wir bekamen in die Hand: Ein Zäpfchen und ein Becher Tropfen. Die Tropfen wurden gern genommen, aber die andere Dame wollte nicht wirklich ein Zäpfchen haben. Der Wortlaut war in etwa: „Na, bitte ned! Morgen, ja? Vielleicht geht’s ja heut doch noch, ja? Ich nehm’s dann auch morgen, wenn’s goar ned geht, ja? Aber heut will ich’s noch a mal so probieren, ja? Bitte etz ned!“ (Frei übersetzt: „Alles, bloß kein Zäpfchen!“)
Eine Stunde später geht die Glocke. Die Dame hätte gerne Hilfe auf die Toilette zu kommen. End vom Lied: Sie hat wirklich keines gebraucht.
Immer geht’s bei uns nur darum. Blutdruck? Naja, passt schon. Puls? Bissl zu hoch? Bissl zu nieder? Arhythmisch? Solang’s dem Patient gut geht, net so wild. Haben wir mal ein Auge drauf. Aber wehe wenn die Leute mal ein paar Tage net richtig aufs Klo können. Selbst wenn sie _GAR_ keine beschwerden haben wird gleich einmal der „Reiter“ für Abführen gezogen.
Btw: Reiter sind so lustige bunte Streifen, manchmal mit Nummern gekennzeichnet, um Verwechslungen vorzubeugen, die bereits auf den ersten Blick darüber informieren sollen, was bei den Patienten Sache ist bzw. auf was man so achten soll(te). Beispiele (passend zum Thema): Rosarot-6=Temperatur/Puls, Hellblau-7=Blutdruck, Grün-0=Abführen

Entry Filed under: Anekdote, Stationsalltag, Täglich grüßt.... .

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